Rechtsanwaltskanzlei Ermiştekin - Rechtsanwaltskanzlei für Arzthaftungsrecht und Familienrecht
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Geburtsschadenecht - Geburtshilfefehler

Geburtshilfe- Was ist darunter zu verstehen?

Unter dem Stichwort „Geburtshilfe“, als Teilbereich der Frauenheilkunde, umfasst die Überwachung von Schwangerschaften, der Geburt sowie mit gegebenenfalls erforderlichen Operationen im Zusammenhang damit.

Fehler, die im Rahmen der Geburtshilfe durch die Behandelnden gemacht werden, bezeichnet man als Geburtshilfefehler.

Wie auch sonst im Arzthaftungsrecht kommen Behandlungsfehler, wie beispielsweise der Befunderhebungsfehler, Diagnosefehler, Therapiefehler oder Organisationsfehler des Arztes, des Krankenhauses oder der Hebamme/Entbindungspflegers in Betracht.

Geburtshilfefehler können sowohl vorgeburtlicher oder nachgeburtlicher Natur sein oder während der Geburt gemacht werden. Bereits im vorgeburtlichen Bereich, also nach Kenntnis der Schwangerschaft, werden zahlreiche Tests von Ärzten gemacht und das Heranwachsen des Embryos kontrolliert.


Werden in diesem Zusammengang Fehler gemacht, ist dieser Fehler aber auch von dem Patienten zu beweisen. Denn grundsätzlich gilt, dass der Patient die Beweislast trägt.

Konkret bedeutet dies, dass der Patient beweisen muss, dass der Behandelnde schuldhaft einen Fehler begangen hat, der Patient einen Schaden davon getragen hat und dass der begangene Fehler kausal für den Schaden ist. Diese Beweislast wird zum Beispiel bei Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers zu Gunsten des Geschädigten umgekehrt. Die Beweislastumkehr führ dazu, dass der Patient nach wie vor das Vorliegen des Behandlungsfehlers sowie des Primärschadens beweisen. Die Kausalität des Behandlungsfehlers für den Primärschaden wird dann vermutet.

Die Ursächlichkeit des Behandlungsfehlers für den Sekundärschaden muss der Patient beweisen, es sei denn bei dem Sekundärschaden handelt es sich um eine typische Folge des Primärschadens. Damit stellt wird als erste Hürde bereits das Beweisen eines Behandlungsfehlers angesehen.

Das zweite schwierige Problemfeld ist der Nachweis der Kausalität.

Wenn diese Punkte geklärt sind, wird zu klären sein, welche Ansprüche dem Patienten aus einem Behandlungsfehler erwachsen. Zu unterscheiden sind immaterielle und materielle Schadenspositionen.

Immaterielle Schäden sind Nichtvermögensschäden, also zum Beispiel Schmerzensgeld.

Unter Schmerzensgeld ist die Entschädigung in Geld für einen Nichtvermögensschaden, zum Beispiel durch Verletzung des Körpers oder der Gesundheit zu verstehen, § 253 BGB. Um die Höhe des Schmerzensgeldes zu materielle Schadenspositionen bestimmen, gibt es sogenannte Schmerzensgeldtabellen. Diese werden jedes Jahr aktualisiert und werden bei der Bestimmung der Höhe des Schmerzensgeldes herangezogen.
Insbesondere bemisst sie sich nach der Verletzung und der Intensität der Verletzung, die der Patient erlitten hat.

Materielle Schadensersatzansprüche setzen einen konkret erlittenen Vermögensschaden voraus.
Zu nennen sind hier beispielsweise die Fahrtkosten der nahen Angehörigen beim Besuch im Krankenhaus und die Beerdigungskosten im Falle des Versterbens des Patienten. Auch ein Minderverdienst aufgrund des Behandlungsfehlers oder ein Barunterhaltsschaden bei Tod eines Ehepartners ist beachtlich.


Zukünftige Schäden materieller oder immaterieller Natur, die zum Zeitpunkt des Prozesses noch nicht entstanden oder absehbar sind, werden unter dem Begriff „Zukunftsschaden“ gefasst.

Weiß man also nicht ob später noch ein Schaden aufgrund des Behandlungsfehlers entsteht oder kann man einen bereits entstandenen Schaden noch nicht beziffern, kann man dies im Prozess durch einen Feststellungsantrag im Rahmen der Klage, feststellen lassen.

Dadurch läuft man nicht Gefahr, dass die Schadensersatzansprüche verjähren.
Entstehen die Schäden im Laufe der Zeit, können die Schäden beziffert und geltend gemacht werden.
Daher ist es sehr wichtig, dass neben einem Leistungsantrag ein Feststellungantrag gestellt wird, um den geschädigten Patienten in Zukunft finanziell abzusichern.


Aufgrund der Komplexität von dem Arzthaftungsrecht ist es ratsam einen auf Medizinrecht spezialisierten Anwalt zu beauftragen.