Rechtsanwaltskanzlei Ermiştekin - Rechtsanwaltskanzlei für Arzthaftungsrecht und Familienrecht
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Top ten der häufigsten Behandlungsfehler

Als türkische Rechtsanwältin in Berlin berate ich meine Mandanten auch bei ärztlichen Behandlungsfehlern

Die ärztlichen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen haben im Jahr 2017 bundesweit 7.307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen, etwas weniger als im Vorjahr (7.639).

Im Jahr 2017 wurde in 2.213 Fällen, also knapp einem Drittel, ein Behandlungsfehler bejaht. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen geführt hatten, waren Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen.

Bei Gonarthrose wie Koxarthrose wurden 2017 jeweils 262 Anträge auf einen Behandlungsfehler bestätigt — von 1.783 eingereichten Fällen.

Bei Unterschenkel- und Sprunggelenksfrakturen (167), Unterarmfrakturen (165) und lumbalen  Bandscheibenschäden (149) bestätigten sich die Behandlungsfehlervorwürfe in der genannten Höhe.

Schlussfolgerung dessen ist, dass im Bereich der Orthopädie viele Patienten davon ausgehen, dass die Behandlung nicht dem medizinischen Standard entsprechend ausgeführt wurde. Nichtsdestotrotz sollen auch die in den anderen Bereichen ausgeführten Behandlungsfehler aufgeführt werden, um die häufigsten Behandlungsfehler beim Namen zu benennen.

Thrombosen

(Gefäßerkrankung bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet) können in allen Gefäßen auftreten.

Meistens handelt es sich um eine Thrombose der Venen (Venenthrombose oder Phlebothrombose), speziell eine Thrombose der tiefen Beinvenen (Tiefe Venenthrombose – TVT).
Die wichtigste Komplikation der frischen tiefen Beinvenenthrombose ist die Lungenembolie, die unter Umständen tödlich verlaufen kann.

Wegen der Gefahr der Lungenembolie muss jeder Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose umgehend abgeklärt werden.

Häufig ist auch die fehlerhafte oder unterlassene Thromboseprophylaxe.

Denn ein erheblicher Risikofaktor für die Entwicklung einer TVT ist jeder operative Eingriff, so dass bei dem Patienten grundsätzlich nach der Operation zur Vermeidung einer TVT eine prophylaktische Antikoagulationstherapie eingeleitet werden muss. Wird diese Therapie unterlassen bzw. erfolgte eine falsche Dosierung der medikamentösen Thromboseprophylaxe, so stellt dies in der Regel eine fehlerhafte ärztliche Behandlung dar.


Luxation

Bedingt durch einen Sturz oder durch eine andere Form der Krafteinwirkung springen bei einer Verrenkung (Luxation) Gelenkköpfe aus ihren Gelenkpfannen. Diese Art der Verrenkung wird als traumatische Luxation bezeichnet. Im Gegensatz dazu kann eine Luxation auch infolge genetisch bedingter Gelenkinstabilität (schwache Bänder, weiches Bindegewebe) auftreten. Diese wird in der Fachsprache als habituelle Luxation bezeichnet. Eine Luxation stellt grundsätzlich eine schwere Schädigung eines Gelenkes dar.

Bei der traumatischen Luxation ist eine umgehende Reposition (Einrenkung) erforderlich. Dabei sollte ohne große Krafteinwirkung vorgegangen werden, damit die Gefahr von Nerven- und Gefäßschäden sowie Verletzungen des Gelenkes vermieden werden.


Blinddarmentzündung

Diese bekannte Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms wird von Ärzten oft unterschätzt.

So muss, wenn ein Patient bei der stationären Aufnahme im Krankenhaus bereits die Symptome einer akuten Appendizitis aufweist, zwingend im Rahmen einer sorgfältigen Differentialdiagnose eine Appendizitis ausgeschlossen werden.

Die Diagnose der Blinddarmentzündung wird im Rahmen der ärztlichen Untersuchung gestellt. Am wichtigsten sind dabei die Anamnese, die Laboruntersuchungen (Leukozyten, CRP-Wert), der Ultraschall (Sonographie) und bei untersuchungstechnischen Schwierigkeiten auch das CT.

Sollte sich die Blinddarmentzündung bestätigen, sollte möglichst früh (innerhalb von etwa 48 Stunden) operiert werden.

So stellt in diesen Fällen die Verkennung bzw. die verzögerte Diagnose einer Appendizitis häufig auch einen vorwerfbaren groben Befunderhebungs- oder Diagnosefehler dar. 


Darmperforation

Der Darmdurchbruch ist eine schwere Erkrankung, bei der die Darmwand ein Loch aufweist. Tritt Darminhalt in die Bauchhöhle, kann dies zu lebensgefährlicher Peritonitis führen.
Besonders häufig führt eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Entzündung des Darms zu einem Darmdurchbruch, z.B. eine Appendizitis.

Aber auch bei diagnostischen oder therapeutischen endoskopischen Spiegelung sind Perforationen von Hohlorganen möglich.

Ein Darmdurchbruch muss sofort im Krankenhaus behandelt


Nierenstein

Grundsätzlich sind Nierensteine eine sehr häufige Erkrankung, die ca. 5 % aller Menschen in diesem Land betreffen werden im Rahmen ihres Lebens.

Die häufigsten Nierensteine sind die sogenannten Calciumoxalatsteine, die man in der Röntgenuntersuchung als Schatten-gebende Steine darstellen kann. 

Nierensteine sollten unbedingt dann behandelt werden, wenn sie in den Harnleiter gefallen sind und hier einen Harn Stau verursachen, der auch zu einer Entzündung führt. Diese Entzündung kann lebensbedrohlich sein und in dieser Situation ist es notwendig, eine Urinpassage wiederherzustellen.
Der häufigste Behandlungsfehler ist der, dass Nierensteine auch bei einer Ultraschalluntersuchung übersehen werden mit der Folge von schwerer Sepsis und Harnstau.


Brustkrebs

Mammakarzinom nicht erkannt oder zu spät erkannt – Das ist einer der häufigsten Arztfehler beim Brustkrebs.


Gebärmutterentfernung

Die operative Entfernung der Gebärmutter wird auch als Hysterektomie (griech.) oder Uterusexstirpation (lat.) bezeichnet. 

Die Hysterektomie gehört zu den am häufigsten durchgeführten operativen Eingriffen im Fachbereich der Gynäkologie.

Typische Komplikationen und damit Risiken der Hysterektomie sind Wundheilungsstörungen, Verwachsungen, Verletzung von Darm, Harnleiter oder der Harnblase sowie (Nach-)Blutungen.
Im Übrigen stehen die
steigenden Zahlen der durchgeführten Operationen in der Kritik, da insbesondere für gutartige Erkrankungen der Gebärmutter eine Vielzahl an alternativen Behandlungsmethoden gibt. 


Kaiserschnitt

Die verspätete Einleitung einer Sectio ist als grober Behandlungsfehler zu werten, wenn aus objektiver Sicht nicht mehr nachvollziehbar ist, weshalb trotz einer (durch CTG) festgestellten Sauerstoffminderversorgung und eines eingetretenen Geburtsstillstandes eine sectio nicht vorgenommen wurde.
Ein verzögerter Kaiserschnitt (sectio caesarea) bei einem geburtshilflichen Notfall, wie z.B. eine verzögerte Geburt bei einem auffälligen CTG ist immer ein grober Behandlungsfehler.


Koxarthrose

Unter Koxarthrose versteht man eine Abnutzung des Knorpels im Hüftgelenk und damit eine degenerative Veränderung des Knorpelgewebes. Auf Dauer werden Knorpel und andere Gelenkanteile (Knochen, Gelenkschleimhaut, Gelenkkapsel) geschädigt.

Zunächst müssen nichtoperative Behandlungen erfolgen. Erst bei fortgeschrittener Hüftgelenksarthrose mit starken Beschwerden werden Anteile des Gelenks (Endoprothese) oder das ganze Gelenk (Totalendoprothese) ersetzt – wenn notwendig unter Korrektur einer Fehlstellung.


Künstliches Hüftgelenk

Bei künstlichen Hüftgelenken ist gelegentlich das falsche Gelenk eingesetzt worden, bisweilen stimmen Länge oder Umfang nicht, Fehler beim Zementieren oder zu tiefes Bohren in den Knochen sind die häufigsten Behandlungsfehler bei dieser häufigen Operation.


Hüftprothese

Die Implantation einer künstlichen Hüfte ist nicht nur sehr komplex, das Gelingen ist auch stark abhängig von der Erfahrung des Operateurs und seiner Präzision. Die Nebenwirkungen einer Hüftoperation können sich zeitnah bemerkbar machen, aber auch erst nach Monaten oder Jahren. Eine Lockerung der Hüftprothese zeigt sich häufig erst Jahre später.


Schlaganfall

Der Gehirnschlag bezeichnet den plötzlichen Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems.
Er führt zu Störungen der Blutversorgung des Gehirns.

Die Patienten, auch Verdachtsfälle, müssen unverzüglich ärztlich untersucht werden.
Die sogenannte „Time-to-needle“ (Zeitspanne, innerhalb derer eine etwaige Lysetherapiebegonnen sein muss) liegt bei 4.5 Stunden nach dem Schlaganfall.

Sofortiger Notfalltransport mit Rettungswagen, eventuell mit Notarzt ist Pflicht. Leider wird auch der Schlaganfall nicht sofort erkannt mit der Folge, dass wertvolle Zeit verstreicht und Folgeschäden zurückbleiben.


Bandscheibenoperation

Inzwischen sind mehr als 50 % aller Bandscheibenoperationen unnötig bzw. vorrangig wäre eine  in vielen Fällen zunächst eine konservative Behandlung.

Daher sollten sich die Patienten nicht sofort auf eine Operation überreden lassen und weitere fachärztliche Meinungen heranziehen. Denn eine Operation in dem Bereich hat viele Risiken, welche zunächst vermieden werden sollten.


Bandscheibenvorfall

Sollte jedoch der Befund eine Operation indizieren, weil das konservative Vorgehen keine Heilung, vielmehr einen irreversiblen Schaden befürchten lässt, ist die Operation eines Bandscheibenvorfalls dringend indiziert.